Peter Dörr (1831-1898) gründete die Gaststätte "Zum Deutschen Haus"

 

Ganze 12 Brauereien gab es einst im beschaulichen Michelstadt.

Überlebt hat nur eine – Die Michelstädter Bier GmbH (ehemalige Brauerei Dörr) mit dem dort gebrauten Michelstädter Bier.

Die Geschichte der Michelstädter Bier GmbH beginnt Anfang des 18. Jahrhunderts mit Johann Sebastian Häußler, dem Sohn eines schweizer Einwanderers und ehemaligem Musketier im Regiment des Erbacher Grafenhauses. Häußler heiratet 1721 Agnes Margarethe Rösinger, die Tochter des Amselwirts in Michelstadt und wird seitdem als Braumeister und Küfer (Holzfassmeister) erwähnt.

Sein Enkelsohn, ebenso Bierbrauer und Küfer, errichtet zu Beginn des 19. Jahrhunderts, ein paar Meter weiter, für seinen Sohn ein neues Brauereigebäude.

Ludwig Häußlers einzige Tochter Eva Margarethe heiratet 1858 den aus Wembach bei Ober-Ramstadt stammenden Bierbrauer und Küfer Peter Dörr.

Damalige Gaststätte mit Stammgästen und Bediensteten im Hof (1904)

 

Nach einem längeren Aufenthalt in Amerika kehrt Peter Dörr frisch verheiratet  mit Eva Margarethe Häußler ins schöne Michelstadt zurück und richtet neben der Brauerei die Gaststätte "Zum Deutschen Haus" ein. Die Gaststätte ist auch Heute noch ein beliebter Ort um alle Michelstädter Biersorten zu verkosten, sowie die Geschichte der Michelstädter Bier GmbH zu erfahren.

Außerhalb der Altstadt, wird damals der erste Stein für die heutige Michelstädter Bier GmbH, angefangen mit einem etwa 15 m tiefen Keller in den Kalkstein, ausgegraben. In dieser Zeit gibt es in Michelstadt bis zu 12 Braustätten, die ihr Bier in ihren eigenen Gaststätten ausschenken.

Erster Mai um 1930: Die Belegschaft mit Fuhrfass

 

Erst zu Beginn der 20er Jahre kann der Sohn, durch Kriegsdienst und lange Gefangenschaft im 1. Weltkrieg, die Gaststätte und Brauerei weiterführen.

Die Brauerei “Zum Deutschen Haus” ist nach dem 1. Weltkrieg die einzige in Michelstadt noch existierende Brauerei und beliefert nun auch die umliegenden Gasthäuser mit “Michelstädter Bier”.

Die zwanziger und dreißiger Jahre sind ge­kenn­zeich­net durch um­fas­sen­de Mo­derni­sierun­gen. Viele technische Neuerungen verbessern das Her­stel­lungs­verfahren.

Einer der ersten Lastwagen: Ein Borgward

 

Die ersten LKWs ersetzen die Pferde­fuhr­werke, Alu­mi­nium­tanks lösen die Holzfässer ab, eine Eismaschine dient der Herstellung von Stangen­eis und eine Dampfmaschinen getriebene Schrot­mühle verarbeitet das Malz.

Der 2. Weltkrieg und die Nachkriegszeit führen zu einem zunehmenden Rohstoffmangel, der erst mit der Währungsreform beseitigt werden kann. Improvisation ist gefragt und man nimmt nun Molke als Ersatz für das schwer zu beschaffende Malz.

Die wiedereröffnung der Brauereigaststätte (1954)

 

 

Erst nach der Währungs­reform 1948 kann wieder Malz gekauft und Bier mit 8% Stamm­würze gebraut werden.

Zum Vergleich:
Heute hat Pils einen Stamm­würze­gehalt von 11,5%. Die Brauerei­gast­stätte wird am Ende des Welt­krieges ge­schlos­sen und erst nach einer grund­legen­den Reno­vier­ung 1954 wieder eröffnet.

Rohbau der Abfüllerei (1960)

 

 

 

 

In den 60er Jahren errichtet die Familie Dörr in der Hochstraße auf dem „Kalkstein­keller“ die neue Brauerei mit Abfüll­anlage, Lager Gebäude und Wohn­haus.

Im Jahr 1972 über­nimmt Georg Wilhelm Dörr die Leitung der Brauerei.

Das neue Sudhaus (1975)

 

 

 

Im Jahr 1975 wird ein neues Sudhaus errichtet und somit ist
Bier­her­stel­lung, Ver­ar­beitung und Verkauf wieder an einem Ort.

Durch Michelstädter Bier GmbH, besteht das Michelstädter Bier nun schon seit 10 Generationen im Familienbesitz.

Der Brauereiausschank in der Bahnhofstraße verändert in den folgenden Jahren sein Erscheinungsbild. Die Ausfahrt wird geschlossen, der Innenhof wird im Sommer als Biergarten genutzt, in das ehemalige Sudhaus wird eine neue Küche eingebaut.

So wird noch heute das Michelstädter Bier nach alter handwerklicher Tradition mit dem Erfahrungsschatz von über 280 Jahren gebraut.